Eine kleine Sammlung von Gedichten. Wenn du auch ein schönes Gedicht geschrieben/gefunden hast, das hier veröffentlicht werden soll, schick mir einfach eine eMail.
Erinnerungen
An einem kalten Wintertag,
da ging ich einsam in dem Park.
Von Schnee bedeckt, fast wie im Traum,
stand dort ein großer, alter Baum.
In Gedanken gehe ich zurück
zu den Tagen voller Glück,
wo wir Kinder voller Wonne
tanzten in der Mittagssonne.
Immer gab er uns den Schatten,
den wir bitter nötig hatten.
Schnell kamen wir dann zur Ruh'
und sahn' der Welt beim Wachsen zu.
Doch nun solln' er und seinesgleichen
einer lauten Straße weichen.
Einsam gehe ich zurück;
die Gedanken bei dem Glück.
Der kleine Tannenbaum
Einsam, traurig und so klein
stand im Wald ein Bäumelein.
Fast vergraben in dem Schnee,
tat sein winzges Herz ihm weh.
„Ach was würd ich dafür geben,
könnt ich doch ein neues Leben
in eines Hauses Wärme drinnen,
als Zeichen einer Freud beginnen.
Schön geschmückt würd ich dort stehen,
das Glück der Kinderaugen sehen,
wenn am Heilgen Abend dann,
ein jeder etwas finden kann.“
Ja, das wär ihm eine Freud.
Und auf einmal kamen Leut’
die suchten einen Weihnachtsbaum,
so erfüllte sich sein Traum.
Eingesperrt (von Julia W.)
Ein kleines Mädchen,
ein Nesthäkchen,
ganz fein,
wollte so gern frei sein.
Drum schmiedet es einen Plan.
Klamm heimlich in tiefer Nacht
hat es sich Folgendes ausgedacht:
"Ich brech aus,
aus diesem Haus.
Ganz weit weg,
in die Freiheit hinein."
Alle schliefen,
doch sie war wach.
Sie lief aus dem Haus,
hinein in die tiefe Nacht.
Sie lief und lief,
gönnte sich keine Pause.
Erst als schon der Morgen graute,
hielt sie an.
Nach kurzer Rast,
lief sie weiter,
denn sie war in Hast.
Sie lief und lief.
Zu Hause schrie das Zimmermädchen:
"Sie ist weg, einfach weg!"
Für alle ein großer Schreck.
Das Bett verlassen, so leer,
und keine Nachricht von ihr.
Das Mädchen wusste,
man würde sie finden,
als sie hörte die Polizei.
Sie Lief und lief.
Man suchte den ganzen Tag,
und die nächste Nacht.
Erst als der Morgen erwacht,
läuft man zum Wald.
Als man sie fand,
war sie schon tot.
Ein Lächeln im Gesicht,
Ein Messer in der Hand.
Neben ihr ein Zettel:
"Jetzt bin ich frei."
Die Eltern gedenken ihrer Tochter,
deren Leben so schnell verflog.
"Warum? Warum tat sie das?"
waren ihre immer wiederkehrenden Fragen.
Das Mädchen war erst elf...
Die Erde träumt... (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)
Die Erde träumt von grünen Feldern,
Von Blättersäusel, Blütenduft,
Von Blumengärten, dichten Wäldern,
von Sonnenschein und milder Luft.
Sie wachet auf aus ihrem Traume
Und wird von grimmer Kält erschreckt:
Schnee hangt an jedem Strauch und Baume,
Schnee hat das weite Land bedeckt.
Mag auch der Lenz noch länger säumen,
Einst ist der Erde Traum erfüllt.
Ach! meiner Liebe langes Träumen,
Bleibt's nur in Winternacht gehüllt?
Frühling lässt sein blaues Band (Eduard Mörike)